Verlag Programm Sachbücher Historisches Wörterbuch der Elektrotechnik, Informationstechnik und Elektrophysik Rezensionen



Autor Alfred Warner
Titel Historisches Wörterbuch der Elektrotechnik, Informationstechnik und Elektrophysik - Zur Herkunft ihrer Begriffe, Benennungen und Zeichen
Rezensionen

Rezension aus "DIN Mitteilungen, 11/2007"

Über Erfinder und Forscher auf dem Gebiet der Elektrotechnik, Physik und Chemie gibt es viele Nachschlagewerke. Wer aber erfahren möchte, wann und von wem ein gängiger Fachausdruck geprägt und eingeführt worden ist, hat es nicht leicht, eine Antwort zu bekommen. Diese Lücke schließt dieses "Historische Wörterbuch der Elektrotechnik, Informationstechnik und Elektrophysik", das über die Herkunft der Begriffe, Benennungen und Zeichen auf dem betreffenden Gebiet informiert.

Der Autor, Alfred Wamer, war über 25 Jahre lang Leiter des VDE-Prüf- und Zertifizierungsinstituts sowie Honorarprofessor an der TU Darmstadt für das Gebiet "Europäische Normen, Prüf- und Zulassungswesen in der Elektrotechnik". In dem Wörterbuch werden Stichworte erklärt und die Geschichte der Begriffe dokumentiert. Belege aus der Fachliteratur und anderen Texten verdeutlichen die Benutzung der Stichwörter. Aus der Wortfamilie und den fremdsprachigen Entsprechungen - nicht nur in Englisch, sondern z. B. im Fall der Elektrizität in 34 anderen Sprachen - können weitere Schlüsse gezogen werden. Besonders interessant ist die Geschichte des Wortes "Elektrizität" mit seinen Eindeutschungen bzw. Eindeutschungsversuchen oder auch die Entstehung des Wortes "Ingenieur". Beginnt man erst einmal neugierig in diesem Werk zu blättern, wird man es sobald nicht aus der Hand legen. Es ist eine Fundgrube nicht nur für den naturwissenschaftlich interessierten Leser oder den Ingenieur, es ist auch für Übersetzer ein hervorragendes Nachschlagewerk für die gezielte Suche nach Worterklärungen oder Ersatzbegriffen. Abgerundet wird das Werk durch einen Anhang mit Informationen zu den Wortschöpfern und früheren Wortverwendungen.

Das Buch hat mit seiner Fülle von Details alle Aussicht, ein Standardwerk zu werden. Herausgegeben wurde es im Einvernehmen mit der Gesellschaft für deutsche Sprache e. V. (GfdS) und dem VDE-Ausschuss "Geschichte der Elektrotechnik".

Rezension aus "Muttersprache, 3/2007"

Das Buch ist dreifach beachtlich, als technisches, als historisches und als sprachwissenschaftliches Werk. Sein Autor Alfred Warner besitzt seit seiner Jugend umfangreiche Sprachkenntnisse. So lernte er bereits als Schüler Esperanto. Das schuf ihm während seines Technikstudiums seit 1951 in Hannover eine geistige Verbindung zu dem Wiener Begründer der Terminologie der Technik Eugen Wüster (FN1), der in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts die Normierungsgeschichte der technischen Begriffe begründet hat und der zugleich ein bedeutender Esperantist war.

Zur gleichen Zeit findet Alfred Warner eine Verbindung zur deutschen Sprache. 1954 - noch während seines Studiums in Hannover - wird er Mitglied der Gesellschaft für deutsche Sprache. So hat das Studium der Elektrotechnik, das Interesse an der technischen Terminologie und die Bindung an die deutsche Sprache sein berufliches wie privates Interesse bestimmt.

Nach einer Fülle von Publikationen zu diesen Themen - im Veröffentlichungsverzeichnis des vorliegenden Bandes nennt er 14 (436-437), doch weisen vor allem die Zeitschriften der Gesellschaft für deutsche Sprache seit 1959 noch weitere Veröffentlichungen aus - erscheint nun sein großes »Historisches Wörterbuch«.

Auch seine langjährige berufliche Tätigkeit im Normenausschuss Terminologie des Deutschen Instituts für Normung DIN seit 1960 bestimmt sein Engagement in der elektrotechnischen Begriffsbildung. Dabei waren es zwei Komponenten, die diese Terminologie prägen, zum einen die historische Entwicklung der Begriffe mit einem Rückgriff bis in die frühe Antike, wofür in dem vorliegenden Band etwa die Wörter Elektrizität und Energie (beide 4. Jahrhundert vor Christus), oder Kybernetik (1. Jahrhundert vor Christus) charakteristisch sind, zum anderen die Verwendung von Namen von Forschern zur Benennung von technischen Einheiten, etwa aus dem Altertum Archimedes, aus dem 17. und 18. Jahrhundert Newton, Volta, Ohm, Ampere oder Faraday.

Schließlich beeinflussen auch die umfangreichen Sprachkenntnisse Warners diese Arbeit. Zu den von der deutschen Normung festgelegten Benennungen weist der Band in zahlreichen Fällen auf die abweichenden Begriffe in anderen Sprachen hin, wobei achtundzwanzig Sprachen vom Arabischen bis zum Türkischen berücksichtigt werden.

Insgesamt werden in diesem Wörterbuch cirka 520 Begriffe und Zeichen behandelt, darunter zum Teil auch für den Laien geläufige Wörter - wie etwa bereits das erste Stichwort des Bandes Abonnenten-Fernsehen (3) - oder Fernrohr (116), vornehmlich jedoch reine Fachtermini aus der Elektrotechnik - etwa Fluxistor (119) oder Kilosin (199). Dabei wird durchweg der deutsche Begriff als Stichwort verwandt, wenn es einen solchen gibt. Doch wird ihm stets das englische Pendant in der Überschrift zugefügt.

Dabei gliedern sich die einzelnen Artikel in drei Grundabschnitte: Worterklärung, Wortgeschichte und Wortbenutzung, wobei vor allem die Wortgeschichte oft umfassend dargestellt wird, zum Beispiel die Stromstärkeeinheit Ampere als Siegerin im Streit mit der alten Stromstärkeeinheit Weber im 19. Jahrhundert (8-9).

An diese Abschnitte können sich weitere Zusammenstellungen etwa über Zusammensetzungen mit dem entsprechenden Stichwort (zum Beispiel zu dem Wort Akkumulator 33 Komposita), Fachjargonbezeichnungen (Akku statt Akkumulator), Verdeutschungen und fremdsprachige Entsprechungen anschließen (6). In entsprechenden Fällen folgen fremdsprachige Abweichungen, zum Beispiel bei Messwandler englische, spanische, französische und russische Formen (244). Weiterhin wird auf verwandte Begriffe verwiesen (zum Beispiel zu Influenzkonstante auf Verschiebungskonstante (169)).

Den Abschluss jedes Stichworts bildet eine Angabe der wichtigsten Literatur zu dem Begriff, wobei auch auf ältere Literatur zurückgegriffen wird, etwa bei Kondensator auf die Erstbenennung durch Alessandro Volta aus dem Jahr 1782 (204).

Dem eigentlichen Lexikon sind »Hinweise zur Benutzung« und ein »Verzeichnis der Stichwörter« vorangestellt, wobei für die mathematischen Zeichen wie für griechische Buchstaben ihre Einordnung in das lateinische Alphabet angegeben werden (IX-XV).

Schließlich wird dem alphabetisch geordneten Lexikon ein dreiteiliger Anhang angefügt, der ein Literaturverzeichnis mit mehr als 150 Titeln umfasst (423-438), wobei Warner nur die Literatur berücksichtigt, die er im Text mindestens zweimal zitiert hat. Es folgt eine Übersicht über die Wortschöpfer und frühen Wortbenutzer, in der neben circa 200 Personen aus der Antike bis zur Gegenwart auch Institutionen genannt werden (439-466). Den Abschluss bildet eine »Zeittafel der Wortschöpfungen oder frühen Wortbenutzungen«, die von 340 vor Christus bis 2001 reicht, wobei etwa die Nennungen von Albrecht Dürer oder Kaiser Wilhelm II. überraschen (467-476).

Insgesamt ein fachlich wie sprachgeschichtlich interessantes Werk, das über seinen Nachschlagecharakter als Lexikon hinaus auch zur allgemeinen Lektüre anregt.

Prof. Dr. Günther Pflug Myliusstr. 27 60323 Frankfurt

(FN 1) Hierzu siehe auch Wera Blanke (2004): »Plansprachliche Anregungen für Terminologen - Wüster, Drezen, Warner - eine Skizze.« In: Müller, Ina (Hg.): » Und sie bewegt sich doch ...« Translationswissenschaft in Ost und West. Festschrift für Heidemarie Salevsky. Frankfurt am Main, S. 71-85.

 

Wie Aristoteles auf Kaiser Wilhelm stieß

Wörterbuch von A. Warner schlägt Brücken zwischen Sprache und Technik

Friedrich Wilhelm Viktor Albert von Preußen ist literaturverankert als letzter deutscher Kaiser. Jetzt ist ihm ein weiteres publizistisches Denkmal gesetzt als Förderer zur Erlangung von Diplom- oder Doktor-Graden bei Ingenieuren. Und in dieser Eigenschaft begegnet Wilhelm II. unter anderem italienischen Physikern, dem deutschen Kupferstecher des Mittelalters, einem schwedischen Astronomen, französischen Mathematiker und griechischen Philosophen. Das Prominententreffen findet aufgrund zeitlicher Verwerfungen nicht persönlich statt. Kaiser Wilhelm wird in einem soeben erschienenen Buch lediglich in einem Atemzug mit Alessandro Volta, Albrecht Dürer, Anders Celsius, André Marie Ampère und Aristoteles genannt.

Das gleiche Nachschlagewerk erinnert auch an den Physiker Johann Philipp Reis aus Friedrichsdorf/ Taunus, der einen von ihm konstruierten Apparat zur elektrischen Übertragung von Tönen "Telephon" nannte. Das Gerät feierte 1861 im Frankfurter Physikalischen Verein Premiere. Sieben Jahre zuvor schon hatte die Frankfurter Zeitschrift "Didaskalia. Blätter für Geist, Gemüth und Publicität" erstmals den Begriff der "Telephonie" im Zusammenhang mit der elektrischen Übertragung von Sprache über weite Entfernungen verwendet.

Im "Historischen Wörterbuch der Elektrotechnik, Informationstechnik und Elektrophysik" von Alfred Warner finden sich zudem zwei bemerkenswerte Jubiläen: Die interdisziplinäre Wissenschaft der Ergonomie ist vor genau 150 Jahren von einem polnischen Biowissenschaftler definiert worden. Und dem "Darmstädter Echo" verdankt die deutsche TV-Gemeinde eine aktuelle Wortschöpfung: Auf einen Redakteur der südhessischen Regionalzeitung ist vermutlich das "Bezahlfernsehen" als Übersetzung von "Pay-TV" zurückzuführen. Der eingedeutschte Begriff feiert im kommenden August Zehnjähriges.

Das druckfrische Wörterbuch mit dem Untertitel "Zur Herkunft ihrer Begriffe, Benennungen und Zeichen" weist nach, wann und von wem ein gängiger Fachausdruck in den Schlüsseltechnologien Elektrotechnik, Informationstechnik und Elektrophysik geprägt worden ist. Dabei werden nicht nur Stichwörter - stets mit englischer Entsprechung - erklärt (von dem als Pay-TV populären "Abonnenten-Fernsehen" bis zur Parallelschaltung genannten "Zweigung"). Es werden überdies die Geschichte der Begriffe dokumentiert, Belege zur Wortbenutzung zitiert und internationale Wortfamilien zusammengeführt. Querverweise und Literaturquellen runden die einzelnen Beiträge ab. Ein umfangreiches Literaturverzeichnis mit zahlreichen Hinweisen auch auf Verlagserzeugnisse aus Darmstadt, Frankfurt oder Wiesbaden und eine vor Christus einsetzende Zeittafel komplettieren den Aufbau des naturwissenschaftlich-technischen Bandes.

Dessen Autor ist Dr. Ing. Alfred Warner (75), bis zu seiner Pensionierung Leiter des VDE-Prüf- und Zertifizierungsinstituts (Offenbach) sowie Geschäftsführer im Verband Deutscher Elektrotechniker (VDE). Er lehrte bis 2000 als Honorarprofessor an der Technischen Universität seines Wohnortes Darmstadt, wo vor nunmehr 125 Jahren der Beruf des Elektroingenieurs "erfunden" wurde. Als sprachlich geschulter Sammler aller Begriffe rund um die Elektrizität veröffentlicht der Wissenschaftler seit Jahrzehnten technische und linguistische Erkenntnisse zu diesem Thema.

Der in Bromberg/ Westpreußen geborene Mehrsprachler und in Hannover diplomierte Elektroingenieur widmete sich der Normung und in seiner Dissertation der Sprachnormung. Und ihnen blieb er treu - als Vorsitzender des Normenausschusses "Terminologie" (NAT) im Deutschen Institut für Normung (DIN), als Delegierter der Deutschen Elektrotechnischen Kommission, am Lehrstuhl der Darmstädter Technischen Universität und im Hauptvorstand der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS). Der forschende Ingenieur, umgeben von stets präsenten Karteikarten, die auch weiterhin auf terminologisch-historische Fundstellen warten, will mit seinem Lebens-Werk nicht nur Spezialisten, sondern vielen fachinteressierten Chemikern, Ingenieuren, Mathematikern, Physikern oder Technikern einen Ratgeber an die Hand geben. Er zeichnet sich durch hohe Inhaltsdichte ebenso aus wie durch schnörkellose Sprache und eine durchdachte übersichtliche Struktur.

Das "Historische Wörterbuch der Elektrotechnik, Informationstechnik und Elektrophysik" (ISBN 978-3-8171-1789-5), im Einvernehmen mit der Gesellschaft für deutsche Sprache und dem VDE-Ausschuss "Geschichte der Elektrotechnik" herausgegeben, ergänzt die wissenschaftlichen Publikationen des Frankfurter Harri Deutsch-Verlages. Es umfasst 492 gebundene Seiten und wird für 46 Euro im Buchhandel angeboten.

Von Peter Skopp am 18.04.07 in "Frankfurt live"

 

Rezension aus "Übersetzen, 1/2007"

Über Erfinder und Forscher auf dem Gebiet der Elektrotechnik und Physik und Chemie gibt es viele Nachschlagewerke. Wer aber erfahren möchte, wann und von wem ein gängiger Fachausdruck geprägt und eingeführt worden ist, hat es nicht leicht, eine Antwort zu bekommen. Diese Lücke schließt dieses Historische Wörterbuch, das über Herkunft der Begriffe, Benennungen und Zeichen auf dem betreffenden Gebiet informiert. Der Autor war über 25 Jahre lang Leiter des VDE-Prüf- und Zertifizierungsinstituts und war Honorarprofessor an der TU Darmstadt für das Gebiet "Europäische Normen, Prüf- und Zulassungswesen in der Elektrotechnik".

In dem Wörterbuch werden Stichworte erklärt und die Geschichte der Begriffe dokumentiert. Belege aus der Fachliteratur und anderen Textsorten verdeutlichen die Benutzung der Stichwörter. Aus der Wortfamilie und den fremdsprachlichen Entsprechungen - nicht nur in Englisch, sondern z.B. im Fall "Elektrizität" in 34 anderen Sprachen - können weitere Schlüsse gezogen werden. Besonders spannend fand ich die Geschichte des Wortes "Elektrizität" mit seinen Eindeutschungen bzw. Eindeutschungsversuchen oder die Entstehung des Wortes "Ingenieur". Fängt man als wortneugierige Übersetzerin einmal an zu blättern, wird man so bald nicht aufhören - aber auch für die gezielte Suche nach Worterklärungen oder Ersatzbegriffen ist dieses Nachschlagewerk bestens geeignet. Abgerundet wird das Werk durch einen Anhang mit Informationen zu den Wortschöpfern bzw. früheren Wortbenutzern sowie eine Zeittafel der Wortschöpfungen und früheren Wortbenutzungen. Das Buch hat mit seiner Fülle von Details alle Aussicht, ein Standardwerk zu werden. Herausgegeben wurde es im Einvernehmen mit der Gesellschaft für deutsche Sprache und dem VDE-Ausschuß "Geschichte der Elektrotechnik".

Von Renate Orth-Guttmann

 

Stichwörter und Fachausdrücke

Wer sich für Technikgeschichte interessiert, wird das neu erschienene "Historische Wörterbuch der Elektrotechnik, Informationstechnik und Elektrophysik" gerne benutzen. Denn in der Fülle der vorhandenen Nachschlagewerke gab es bislang keines, das sich der Geschichte der Fachtermini in den genannten Disziplinen widmete, der Herkunft ihrer Begriffe, Benennungen und Zeichen, wie der Untertitel des Handbuchs präzisiert. Ob "Telefon" oder "Bezahlfernsehen", die Einheit "Hertz" oder das Formelzeichen "R" - jedem dieser Stichwörter widmet Alfred Warner eine kleine Begriffsgeschichte.

Der knappen, präzisen Worterklärung folgen die Wortgeschichte und Beispiele für die Wortbenutzung. So erfährt der Leser, wann und von wem ein gängiger Fachausdruck geprägt und erstmals verwendet wurde; Belege aus der Fachliteratur und andere Textsorten verdeutlichen die Benutzung der Begriffe.

Beim Blättern und Lesen eröffnen sich Einblicke in Erfindungs- und Erfindergeschichten, in das Ringen um den richtigen Begriff und gelungene - oder erfolglose - Verdeutschungen.

Ein umfangreiches Literaturverzeichnis, eine Liste der Wortschöpfer und frühen Wortbenutzer runden das Wörterbuch ab. Im Spannungsfeld von Technik und Linguistik besticht es durch die Fülle des über Jahrzehnte gesammelten Materials ebenso wie durch seine klare, benutzungsfreundliche Struktur.

Von Lioba Nägele in "Das Archiv, 3/2007"



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