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Einleitung
Zu seinen Lebzeiten war Franz Xaver von Zach ein bekannter Astronom und Geodät,
ein in ganz Europa geschätzter Ratgeber bei der Errichtung neuer Observatorien,
einer der Geburtshelfer der modernen Kartographie. Heute findet man ihn selbst
in großen modernen Lexika nicht mehr. Waren seine Leistungen wirklich so
leicht-flüchtiger Natur? Wir glauben das nicht. Es ist vielmehr so, daß seine
wesentlichen Verdienste auf Gebieten liegen, deren Rang in den
Naturwissenschaften erst heute anerkannt werden, und dann unter so modisch
klingenden Rubriken wie "Management der Forschung", daß man nicht auf die Idee
kommt, dergleichen schon im 18. Jahrhundert zu suchen und zu finden.
Es ist auch nicht so, daß Zach keinem unmittelbaren wissenschaftlichen Ideal
nachgejagt wäre. Sein Traum war die Entdeckung des zwischen Mars und Jupiter
fehlenden Planeten. Er hatte die Jagd nach ihm organisiert, durch Gründung
einer Astronomischen Gesellschaft und einer von ihr zu leistenden
Durchmusterung - beides Erst-Leistungen! Als dann Piazzi den ersten Planetoiden
fand, war es wiederum Zach, der mittels der von ihm ins Leben gerufenen ersten
astronomischen Fachzeitschriften die Entwicklung des ganzen Gebiets unerhört
beschleunigte und förderte, ja vielleicht überhaupt erst ermöglichte, denn
viele der neuentdeckten Planeten wären wieder verlorengegangen, wenn nicht der
rasche Austausch der Beobachtungen und die Anregung zur Bahnberechnung von ihm
vermittelt worden wäre. Einer, der selbst eine große Rolle in der Entwicklung
der theoretischen Methoden gespielt hatte, erkannte Zachs Bedeutung in diesem
Zusammenhang ausdrücklich an: kein Geringerer als Carl Friedrich Gauß, dessen
Lehrer in praktischer Astronomie Zach war.
Auch im späteren Leben hat Zach
selbst wissenschaftlich gearbeitet; so war er einer der ersten, die die
Abweichung der Lotlinie durch den Einfluß von Bergen nachweisen konnten. Aber
seine größten Leistungen waren stets "katalytischer" Natur: als Anreger,
Vermittler, Gelegenheitsmacher, ja, geradezu Kuppler der Wissenschaft! Wenn die
chemische Reaktion abgelaufen ist, wird der Katalysator nicht mehr gebraucht,
im Endprodukt ist er nicht mehr zu finden. Der Chemiker weiß, daß ohne den
Katalysator das Produkt nicht zustandegekommen wäre. Nur der Laie ahnt nichts
davon. Sind wir nicht in der Wissenschaftsgeschichte Laien, wenn wir Männer wie
Zach vergessen? Gerade auf einem Gebiet, das zum schwierigsten überhaupt
gehört, nämlich in der Wissenschaftstheorie, muß die Empirie besonders ernst
genommen werden. Sie besteht aus der Geschichte der Wissenschaften.
Die Geschichte der Astronomie und der exakten Geowissenschaften der Goethe-Zeit
kann aber nicht geschrieben werden, wenn man Zach ignoriert.
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