16.5 Tellur und Tellurverbindungen
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Tellur (Symbol Te) [von tellus (lat.) Erde; vgl.
Selen]
begleitet Selen und Schwefel in Sulfiden, ist jedoch seltener als Selen.
Entdeckt 1782 durch FRANZ JOSEF MÜLLER VON REICHENSTEIN
in siebenbürgischen Golderzen.
Tellur (siehe auch Tabelle 16-1) bildet
silberweiß-metallische, weiche, jedoch spröde Kristalle mit
Halbleitereigenschaften; goldgelber Dampf; aus
Lösungen (z.B. von Tellurwasserstoff, H2Te) schlägt es sich als braunes
Pulver nieder;
Herstellung aus dem Anodenschlamm der elektrolytischen
Kupferraffination (bis 4 % Gehalt) und aus den Röstgasen sulfidischer Erze;
verbrennt mit blaugrüner Flamme zu Tellurdioxid; wird auch durch
konzentrierte Salpetersäure zu Tellurdioxid oxidiert.
Tellur und seine
Verbindungen sind sehr giftig;
im menschlichen Körper bildet sich
Dimethyltellur, (CH3)2Te, das Atemluft und Schweiß
einen langanhaltenden, penetranten Knoblauchgeruch verleiht.
- Tellurwasserstoff, Tellan, H2Te:
- farbloses, sehr giftiges, zersetzliches Gas; verbrennt mit blaugrüner
Flamme zu einem Rauch von Tellurdioxid;
ist als Säure stärker,
jedoch gegen Luftsauerstoff weit unbeständiger als Selenwasserstoff. Die
Salze heißen
Telluride.
- Bismuttellurid, Bi2Te3,
Blei(II)-tellurid, PbTe, und
Antimontellurid, Sb2Te3,
- sind in der Raumfahrttechnik für die thermoelektrische Stromerzeugung
wichtig geworden;
- Quecksilber-cadmium-tellurid
- ist
in fotoempfindlichem Material für Wärmebildkameras enthalten.
- Tellurige Säure,
H2TeO3 (Salze:
Tellurite),
- ist sehr schwach und spaltet leicht Wasser ab.
Ihr Anhydrid,
Tellurdioxid, TeO2, F 733
°C, ist weiß, fest und in Wasser nur wenig löslich; es ist
amphoter mit überwiegend saurem Charakter und löst sich sowohl in
Alkalilaugen zu Telluriten als auch in Säuren zu kompliziert
gebauten Tellur(IV)-verbindungen.
- Tellursäure, H6TeO6,
- eine im Gegensatz zu Selen- und
Schwefelsäure nur sehr schwache Säure, bildet farblose,
wasserlösliche Kristalle. Da bereits die 1. Dissoziationsstufe sehr klein
ist und die letzte (6.) demnach verschwindend gering, existieren die meisten
Salze
(Tellurate) nur als Hydrogentellurate; es
existiert jedoch
Silbertellurat,
Ag6TeO6.
Das Anhydrid der Tellursäure,
Tellurtrioxid, TeO3, ist ein gelbes
Kristallpulver.